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"Surreale Erfahrung": Einreiseverbot für Massive Attack in Singapur

Weil sie beim Konzert in Singapur eine palästinensische Flagge zeigten, dürfen die beiden Gründungsmitglieder von Massive Attack nicht mehr in den Stadtstaat einreisen. Die Band spricht von einer "surrealen Erfahrung" und schildert Verhöre, durchsuchte Hotelzimmer und einbehaltene Pässe.

(mia/pn)
Robert "3D" Del Naja von Massive Attack darf nicht mehr nach Singapur.
Robert "3D" Del Naja von Massive Attack darf nicht mehr nach Singapur. © Diogo Baptista / SOPA Images/ddp/Sipa USA
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Singapur lässt Massive Attack nicht mehr ins Land. Robert "3D" Del Naja (61) und Grant "Daddy G" Marshall (66), die beiden Gründungsmitglieder des britischen Trip-Hop-Projekts, dürfen den Stadtstaat künftig nicht mehr betreten. Das teilten die Polizei von Singapur und die Medienaufsichtsbehörde IMDA am Samstag in einer gemeinsamen Erklärung mit, über die unter anderem "Variety" berichtete. Auslöser war eine palästinensische Flagge, die die beiden Musiker am 29. Juli bei ihrem Konzert im Star Theatre auf der Bühne gezeigt hatten.

Ermittelt wurde gegen beide wegen "ihrer Handlungen zur Unterstützung einer politischen Sache und des Entrollens einer ausländischen Flagge". Nach Abschluss der Untersuchung und nach Rücksprache mit der Generalstaatsanwaltschaft sprach die Polizei "strenge Verwarnungen" aus. In Singapur ist das öffentliche Zeigen ausländischer Flaggen, Hoheitszeichen und Banner ohne Genehmigung grundsätzlich verboten.

Der Veranstalter habe die Auflagen für den Abend vorab bestätigt, heißt es in der Erklärung. Dennoch hätten beide Musiker eine "ausländische Flagge" hochgehalten, einer von ihnen habe "Free Palestine" gerufen. Die IMDA prüft nun einen möglichen Verstoß gegen mehrere Lizenzbedingungen, darunter jene, die Künstlern das Zeigen von Flaggen für irgendeine Sache untersagt. Künftige Auftrittsanträge der Band werde man angesichts des Einreiseverbots ohnehin nicht mehr genehmigen. Das Konzert war der einzige Singapur-Termin der laufenden Tour, Videos der Szene verbreiteten sich anschließend rasant im Netz.

Hotelzimmer durchsucht, Pässe einbehalten

Die Band selbst meldete sich am Sonntag auf Instagram zu Wort und schilderte die Stunden nach dem Konzert aus ihrer Sicht. "Nach unserem Auftritt im Star Theatre in Singapur am 29. Juli waren wir überrascht und enttäuscht, dass unsere gesamte Band von der Polizei festgehalten, isoliert und getrennt voneinander befragt wurde. Bei einigen Mitgliedern wurden Hotelzimmer durchsucht und vorübergehend die Pässe einbehalten", heißt es dort.

Die Sprechchöre seien nicht von der Bühne ausgegangen, betont die Gruppe: "Bevor wir die Bühne betraten, und noch einmal am Ende der Show, stimmten große Teile des Saals von sich aus 'Free Palestine'-Rufe an. Offenbar im Bewusstsein, aber unbeirrt davon, dass allein dieser spontane Ausdruck gegen die Zensurgesetze ihrer Regierung verstoßen könnte." Und weiter: "Wir hätten uns nicht vorstellen können, dass das bloße Hochhalten der Flagge eines souveränen Staates, der von 157 Ländern anerkannt wird, gegen irgendein Gesetz verstoßen könnte."

Kritik auch an der Lage in Großbritannien

Rückblickend sei man "stolz", diesen spontanen Moment gemeinsam mit den Fans in Singapur erlebt zu haben. Diese hätten "offensichtlich eine moralische Verpflichtung verspürt, sich mit den Menschen in Palästina zu solidarisieren", schrieb die Band und zollte ihrem Mut Respekt. Weltweit treibe "die anhaltende Untätigkeit der 'internationalen Gemeinschaft' die Bürger dazu, persönliche Risiken einzugehen".

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Die "surreale Erfahrung" sei eine "Erinnerung daran, wie wichtig es ist, universelle Menschenrechte und die Meinungsfreiheit zu verteidigen, wo immer diese Rechte bedroht sind". Unter Druck sieht die Gruppe diese Rechte auch im eigenen Land: "Zu Hause in Großbritannien werden friedliche Demonstranten nach Terrorgesetzen verhaftet, weil sie handgeschriebene Schilder gegen den Genozid hochhalten, trotz Appellen aus allen politischen Lagern."

Del Naja war schon in London festgenommen worden

Neu ist das Thema für Massive Attack nicht. Die Gruppe zählt zu den lautstärksten Unterstützern palästinensischer Anliegen im Musikgeschäft. Del Naja war im April einer von rund 500 Menschen, die bei einer Demonstration in London gegen das Verbot der Gruppe Palestine Action festgenommen wurden. Die Organisation gilt in Großbritannien als verbotene Vereinigung.

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