Streaming statt Sammeln: Das gar nicht so leise Ende der Disc?
Download und Streaming statt Regal: Ob Filme, Serien oder Videospiele - physische Discs verlieren immer mehr an Bedeutung. Aktuelle Entscheidungen aus der Games-Branche und offizielle Verkaufszahlen verdeutlichen, wohin die Reise wohl in naher Zukunft geht.
DVDs und Blu-rays von Filmen oder Serien und Videospiele auf Disc gehörten lange zum Alltag. Doch die Art, wie viele Menschen Filme schauen und Videospiele kaufen, hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Streamingdienste und digitale Stores dominieren den Markt inzwischen so deutlich, dass immer mehr Unternehmen ihre Strategien mit Folgen für Verbraucherinnen und Verbraucher anpassen.
Aktuelle Entwicklungen deuten darauf hin, dass physische Datenträger schon in naher Zukunft weiter an Bedeutung verlieren. Für Kundinnen und Kunden bringt das zwar auch Vorteile, wirft gleichzeitig aber Fragen zur langfristigen Verfügbarkeit auf. Unter Sammlern und Fans physischer Medien haben vor allem Nachrichten aus dem Gaming in den vergangenen Tagen und Wochen für viel Unmut gesorgt. Größen der Branche setzen künftig rein auf digitale Verbreitungswege.
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Sony, Microsoft und Rockstar verabschieden sich von Discs
Was mancher vielleicht schon befürchtet hatte, wurde im Rahmen des Vorverkaufsstarts von "Grand Theft Auto VI" offiziell bekannt. Zwar soll eine Version des Spiels auch im Einzelhandel verkauft werden, ein Datenträger wird aber nicht mehr in der Plastikverpackung liegen. In den Packungen des voraussichtlich größten Games dieser Generation befinden sich nur Codes, die zum Download des Spiels eingelöst werden können. Eine Entscheidung, die bei möglichen weiteren Teilen oder anderen Titeln des Publishers Rockstar Games in der Zukunft vermutlich nicht anders ausfallen dürfte.
Branchenanalysten halten diesen Schritt für nachvollziehbar. Digitale Verkäufe sind für Hersteller günstiger, weil Produktion, Lagerung und Versand entfallen. Außerdem geht der Absatz physischer Medien im Videospielbereich stetig zurück. Es handle sich um einen "Verfall", der bei Games schon s-eit mehr als einer Dekade zu verzeichnen sei, erklärt der Analyst Mat Piscatella laut einem "IGN"-Bericht. Daniel Ahmad vom Marktforschungsunternehmen Niko Partners erklärt, dass im vergangenen Jahr zwar rund 70 Millionen Discs für die PlayStation verkauft worden seien, dies aber nur noch etwa 20 Prozent der Verkäufe entspreche - und die Zahl auch noch wegen Spiele-Bundles aufgeblasen sei. Seiner Ansicht nach denken auch weitere Publisher darüber nach, sich der Disc zu entledigen.
Verkauf in "digitalen Formaten"
Noch deutlicher fällt die Entwicklung bei Sony aus. Das Unternehmen hat am 1. Juli offiziell angekündigt, ab Januar 2028 keine physischen Discs mehr für neu erscheinende PlayStation-Spiele zu produzieren. Frische Titel sollen künftig ausschließlich digital angeboten werden - beziehungsweise im Einzelhandel in "digitalen Formaten". Vermutlich sind damit die schon erwähnten Verpackungen gemeint, in denen dann eben kein Datenträger mehr zu finden ist. Sony begründete den Schritt mit der zunehmenden Verbreitung digitaler Käufe.
Bei Microsoft zeichnet sich derselbe Trend ab. Laut Medienberichten, wie etwa von "The Verge", soll auch der Softwareriese darüber nachdenken, die nächste Xbox-Konsole - intern unter dem Codenamen "Project Helix" gehandelt - voraussichtlich ohne Laufwerk zu veröffentlichen. Damit werde Microsoft wohl dem Kontrahenten Sony folgen und die physikalische Disc abschaffen. Zuvor könnte es demzufolge zumindest ermöglicht werden, dass Spielerinnen und Spieler ihre bisherigen Xbox-One- und Xbox-Series-X/S-Games mit einem neuen Feature digitalisieren.
Auch Filme und Serien werden seltener auf Disc gekauft
Nicht nur bei Videospielen schrumpft der Markt für physische Medien. Nach Angaben der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) stieg der Umsatz im Bereich "Home Video" in Deutschland zwar zum Vorjahr um zwei Prozent auf rund 3,7 Milliarden Euro, bereits rund 81 Prozent entfielen aber demzufolge auf Streaming-Abonnements. Der Umsatz mit DVDs und Blu-rays ging dagegen kontinuierlich zurück - in den fünf vorangegangenen Jahren jeweils im Durchschnitt um rund 15 Prozent. Die einzelnen Zahlen zeigen den deutlichen Unterschied. Im Jahr 2025 wurde demnach aus dem Verkauf von DVDs ein Umsatz von 105 Millionen Euro erzielt, bei den Blu-rays waren es 113 Millionen Euro. SvoD, also Streaming-Abos, brachten demzufolge knapp über drei Milliarden ein.
In Deutschland haben sich selbst große Hollywoodstudios in den vergangenen Jahren aus dem Vertrieb zurückgezogen. Spezialisierte Unternehmenspartner sind mittlerweile zuständig für Filme auf Blu-ray oder DVD. Auf der Homepage von Plaion Pictures, vormals Koch Films, das im kleinen Planegg bei München sitzt, heißt es etwa aktuell: "Im Rahmen exklusiver Lizenzvereinbarungen verantwortet Plaion Pictures den physischen Home Entertainment Vertrieb von Amazon MGM Studios, Universal Pictures, StudioCanal, Warner Bros. Discovery und Sony Pictures in Deutschland, von Paramount und Universal in Italien sowie von Warner Bros. Discovery in Frankreich und Benelux." Leonine Studios teilte im Januar 2026 mit, dass man "den physischen Home Entertainment-Vertrieb für Paramount in Deutschland, Österreich und der Schweiz" übernehme.
Digital ist bequem, aber nicht dauerhaft
Die digitale Variante hat durchaus Vorteile. So spart man sich etwa den Platz im Regal, und für Verbraucherinnen sowie Verbraucher ist es komfortabel, quasi per Knopfdruck ein Spiel starten oder einen Film schauen zu können. Gleichzeitig hat das Modell aber auch deutliche Schwächen. Titel zu verleihen oder gar wieder zu verkaufen, wird dadurch deutlich erschwert oder so gut wie ausgeschlossen. Und es entsteht dadurch auch eine andere Abhängigkeit.
Wird ein digitaler Store geschlossen oder ein Titel entfernt, kann der Zugriff auf Inhalte erschwert oder ganz unmöglich werden. Aktuelle Beispiele liefert erneut Sony: Der Konzern hat ausgerechnet zeitgleich zur Verkündung der Einstellung der Disc-Produktion angekündigt, den Verkauf digitaler Inhalte für PlayStation 3 und PS Vita schrittweise einzustellen. Neue Käufe werden damit künftig nicht mehr möglich sein. Bereits gekaufte Inhalte sollen zunächst weiter heruntergeladen werden können, aber auch nur für die "absehbare Zukunft". Heißt: Irgendwann könnte man auf das Produkt, für das man eigentlich bezahlt hat, gar keinen Zugriff mehr haben, wenn es sich nicht noch auf einer alten Konsole im Schrank befindet.
Anders als bei einer DVD oder Blu-ray im Regal, hängt die Verfügbarkeit von digitalen Inhalten von Servern, Lizenzen und Geschäftsentscheidungen der Anbieter ab. Erst kurz zuvor hatte Sony auch mitgeteilt, dass ab dem 1. September 2026 hunderte Filme und Serienstaffeln des Verleihs StudioCanal aufgrund einer Lizenzvereinbarung aus der Video-Bibliothek der Nutzerinnen und Nutzer in mehreren europäischen Ländern gelöscht werden. Auf die Inhalte kann dann grundsätzlich nicht mehr zugegriffen werden. Beide Fälle verdeutlichen das Problem, dass bei Online-Käufen in der Regel nur eine vorübergehende Nutzungslizenz erworben wird. Wer sich in ein paar Jahren seinen digital gekauften Lieblingsfilm erneut ansehen möchte, könnte plötzlich feststellen, dass der Streifen ganz einfach weg ist.
Die Disc wird zur Ausnahme
Noch gibt es viele Menschen, die Wert auf physische Sammlungen legen. Ganz verschwinden werden Discs deshalb wohl zumindest in näherer Zukunft nicht. Stattdessen entwickeln sie sich vermutlich zunehmend zu einem Nischenprodukt, für das vorwiegend Sammlerinnen und Sammler Geld ausgeben. Gerade hochwertige Sondereditionen oder limitierte Veröffentlichungen, die meist auch teurer sind, dürften vorerst weiterhin erscheinen.
Der Massenmarkt orientiert sich allerdings klar. Streaming und Downloads haben sich für viele Menschen längst zur bevorzugten Form des Medienkonsums entwickelt. Wenn die Hersteller dabei auch noch an Kosten sparen, die Inhalte nicht einfach verliehen werden können und es vielleicht sogar notwendig wird, manchen Titel mehrfach zu kaufen, weil die andere Variante auf einmal verschwunden ist, heißen sie diese Entwicklung selbstverständlich willkommen.