Sie kann es selbst nicht glauben: "Wow - I'm really banging my neck", singt Charli xcx gleich zu Beginn ihres neuen Albums auf dem Opener "Rock Music". "Music, Fashion, Film" ist aber weder Brat 2.0 noch ein Rock-Album. Vielleicht sollte man einfach aufhören, Charli irgendwelche Konzepte überstülpen zu wollen und sie als Künstlerin ernst nehmen.
Seit Jahren gehört Charli xcx zu den rastlosesten Künstlerinnen der Popwelt. Studioalben, Mixtapes, Soundtracks, Kollaborationen, Filmprojekte - kaum jemand erfindet sich so konsequent neu. Dieses Prinzip zieht sich auch durch ihr siebtes (!) Studioalbum. Gitarren, kantige Rhythmen und eine leicht heruntergerockte Indie-Sleaze-Ästhetik erweitern ihren Sound, ohne den Pop zu verdrängen. Auf eine Art ist die Brat-Königin nun noch cooler: Vieles wirkt bewusst roh und skizzenhaft, trotzdem bleiben die Songs erstaunlich schnell im Ohr.
Zwinker, zwinker
Mit elf Songs und gut 30 Minuten Laufzeit verzichtet das Album auf jegliche Filler. Besonders "SS26" verbindet eine eingängige Melodie mit unterschwelliger Endzeitstimmung: "Wir laufen auf einem Laufsteg direkt in die Hölle. Nichts kann uns retten, weder Musik, Mode, Film". Das minimalistische "Yeah" besteht dagegen nur aus einer musikalischen Idee, die Tempo, Dynamik und wenige Textzeilen miteinander verwebt.
Ein Highlight ist"Wink Wink", das Charli xcx' Spiel mit Selbstinszenierung und Ironie treffend auf den Punkt bringt. Sie persifliert ihr Image als ewiges Partygirl und behauptet augenzwinkernd, inzwischen "brav" geworden zu sein. Wer's glaubt.
Thematisch kreist "Music, Fashion, Film" um das Leben nach dem großen Durchbruch. Während "Brat" intime Unsicherheiten und zwischenmenschliche Konflikte offenlegte, beschäftigt sich Charli diesmal stärker mit ihrer öffentlichen Rolle und dem Thema Kreativität.
Die Verkörperung des Themas findet sich auf dem Cover. Da sitzt nicht etwa Charli selbst in Schwarz-Weiß-Ästhetik in einer random Küche, die Jim Jarmusch nicht besser hätte bestellen können, sondern Musiker John Cale, Modedesigner Marc Jacobs und Filmregisseur Martin Scorsese. Drei Schwergewichte ihrer jeweiligen Kunst-Branche.
Charli singt über Schauspielambitionen, Modekampagnen, Luxus und den Druck, ständig eine Projektionsfläche zu sein. Gleichzeitig wirft sie einen kritischen Blick auf Celebrity-Kultur und Konsum. "Camera" handelt von der Sucht nach Selbstdarstellung, "Card Declined" übt Kapitalismuskritik. Persönlicher wird es in "I'm Afraid", das ihre Zweifel vor der Ehe mit George Daniel von The 1975 behandelt, oder in "Magic Metal Montana", einer Liebeserklärung an ihren langjährigen Produzenten A. G. Cook.







