2026 stand die berühmte Met Gala in New York City unter dem Dresscode "Mode ist Kunst". Im kommenden Jahr soll das Mode-Event den Designer John Galliano (65) ehren - eine Entscheidung, die bereits jetzt für Diskussionen sorgt.
Anna Wintour: Die "dunklen Seiten" sollen nicht ausgeblendet werden
Das Costume Institute des Metropolitan Museum of Art widmet John Galliano vom 9. Mai 2027 bis 9. Januar 2028 eine eigene Ausstellung. "John Galliano: Horizons" liefert damit auch das Thema der Met Gala, die am 3. Mai 2027 stattfinden wird. Der genaue Dresscode wurde noch nicht bekannt gegeben. In der Ankündigung zur Ausstellung erklärte Anna Wintour (76), Kuratoriumsmitglied des Museums und Chief Content Officer von Condé Nast: "Sein Werk - bei Dior, Givenchy, Margiela, seinem eigenen Label und anderen - vereint Gelehrsamkeit und Kreativität, Dunkelheit und Licht, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf brillante Weise."
Galliano sei "ein großartiger Designer, und seine Karriere beschränkt sich nicht auf einen Moment". Sie betonte in dem Statement auch: "Die Ausstellung wird die dunklen Seiten in Johns Vergangenheit nicht ausblenden. Sie haben ihn geprägt. Die Schau wird seinen gesamten Werdegang beleuchten und sich mit all dem auseinandersetzen."
Vorgespräche mit jüdischen Führungspersönlichkeiten in New York
Dass die Wahl heikel ist, war den Verantwortlichen offenbar bewusst. Wintour traf sich der "New York Times" zufolge bereits im Mai mit einflussreichen Rabbinern und jüdischen Führungspersönlichkeiten der Stadt, um deren Sicht auf die geplante Gala einzuholen. Auch Galliano und Kurator Andrew Bolton nahmen demnach an den Treffen teil.
Umstritten ist Galliano wegen antisemitischer Vorfälle in den Jahren 2010 und 2011. Ein Pariser Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe, im Zuge des Skandals verlor er seinen Job als Chefdesigner im Modehaus Dior. Der Brite entschuldigte sich später, gab an, sich an den Abend nicht erinnern zu können, und sprach über seine Alkohol- und Drogensucht. Nach einer Entzugsbehandlung kehrte er 2014 als Kreativdirektor von Maison Margiela zurück. 2024 verließ er das Modeunternehmen. Galliano hat eine zweijährige kreative Partnerschaft mit Zara geschlossen, die erste Kollektion ist für September 2026 angekündigt.
Rick Jacobs, Präsident der Union für Reformjudentum in Nordamerika, gehört zu jenen, die dem Designer eine zweite Chance zugestehen. Er habe dessen Aufrichtigkeit gespürt, sagte er der "New York Times": "Er hat uns direkt angesehen und klar gesprochen, nicht so, als hätte er sich Gesprächspunkte eingeprägt." Joshua Davidson, Rabbiner des Temple Emanu-El, drang darauf, dass die Ausstellung auch die Folgen von Gallianos Verhalten behandelt. Aufregen werde die Schau trotzdem manche: "Die Menschen werden sich sehr wahrscheinlich darüber ärgern. Ich kann diese Gefühle verstehen."







