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Warum wir Amy Winehouse falsch in Erinnerung haben

Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere gewann Amy Winehouse fünf Grammys - und konnte ihren eigenen Erfolg kaum spüren. 15 Jahre nach ihrem Tod bleibt die Frage: Was bleibt von einer Künstlerin, wenn die Sucht das Talent schlägt?

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Amy Winehouse 2008 auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs.
Amy Winehouse 2008 auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs. © ddp/Rune Hellestad/UPI
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Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ist Amy Winehouse Tausende Kilometer weit weg vom Ort des Geschehens. Während in Los Angeles die Grammy-Verleihung stattfindet, steht sie auf einer Londoner Theaterbühne und verfolgt per Satellitenschaltung, wie sie Geschichte schreibt. Fünf Grammys gewinnt sie an diesem Abend, darunter die Auszeichnungen für den besten Song und die beste neue Künstlerin. Ein Rekord, den vor ihr keine britische Sängerin aufgestellt hat.

Doch so wie die Trophäen sie in diesem Moment nicht erreichen, so erreicht auch die Freude sie nicht. Winehouse kommt direkt aus dem Entzug, ihre Drogenprobleme haben ihr die Einreise in die USA unmöglich gemacht. Hinter der Bühne sagt sie zu ihrer besten Freundin: "Ohne Drogen ist das alles langweilig." Ein Satz, der nichts über Amy Winehouse aussagt, aber alles über Sucht.

Wenn heute, am 23. Juli, an Amy Winehouse erinnert wird, wird wieder nostalgische Tragik im Vordergrund stehen, das Bild der gescheiterten Künstlerin, des passiven Opfers. Dabei war Winehouse vor allem eine der mutigsten und außergewöhnlichsten Musikerinnen ihrer Generation.

Frauen hatten makellos zu sein - und dann kam Amy

Um Amys Genialität zu verstehen, muss man im London der frühen 2000er Jahre ansetzen. Die Popwelt war damals glattgebügelt, hypersexualisiert und vom Male Gaze dominiert. Frauen im Pop hatten perfekt choreografiert zu tanzen und makellos zu funktionieren. Und dann kam Amy. Eine junge Jüdin aus North London, aufgewachsen mit den Platten von Sarah Vaughan (1924-1990), Dinah Washington (1924-1963) und Thelonious Monk (1917-1982). "Für mich bedeutet Jazz, die eigene Freiheit durch Musik zu erweitern und immer wieder Grenzen zu verschieben", erklärte sie dem "Far Out Magazin" ihre Faszination.

Die Plattenlabels rissen sich um sie. Amy war roh, ehrlich und unangepasst, Liebeskummer der Motor ihres Songwritings. Ihr Debütalbum Frank (2003) zeigte genau das. Wo andere Popstars oberflächlich über Liebe sangen, erzählte Amy von den hässlichen, chaotischen Seiten von Beziehungen. "I was thinking of you when I came", lautet etwa die Erklärung für einen Seitensprung an ihren Freund in "I Heard Love Is Blind". Sie sang über weibliche Lust, Frustration und emotionale Abhängigkeit, ohne sich selbst besser darzustellen, als sie war.

Der Durchbruch mit "Back to Black"

Auch ihr nächstes Album, "Back to Black" (2006), wurde im Liebeskummer geschrieben, diesmal ausgelöst von Blake Fielder-Civil (44), den sie 2005 kennengelernt hatte, und der sie kurzfristig für seine Ex wieder verließ. Gemeinsam mit Produzent Mark Ronson (50) und den Dap-Kings schuf Winehouse einen modernen Motown-Sound, der die Popmusik nachhaltig prägte und Künstlerinnen wie Adele (38) oder Lana Del Rey (41) beeinflusste. Doch sie verarbeitete den Schmerz nicht nur mit Musik, sondern auch mit Alkohol und kämpfte gleichzeitig gegen Bulimie. Als Freunde und Label sie in den Entzug schicken wollten, entstand einer ihrer größten Hits: "They tried to make me go to rehab, but I said, 'No, no, no'."

Wer nun ein saufendes Wrack im Studio vor Augen hat, irrt. Laut Star-Produzent Mark Ronson arbeitete sie trotz ihrer Probleme hochkonzentriert, hatte eine klare musikalische Vision, schrieb den Titeltrack in weniger als einer Stunde und benötigte oft nur wenige Takes für perfekte Gesangsaufnahmen.

Absturz vor laufenden Kameras

Pünktlich zu ihrem weltweiten Erfolg kehrte auch Fielder-Civil zurück, diesmal mit harten Drogen, die Amy zuvor nicht konsumiert hatte. Jetzt wurden sie zu einer Möglichkeit, mit dem Druck des plötzlichen Ruhms und der schwierigen Beziehung umzugehen. Als Fielder-Civil 2008 ins Gefängnis musste und sich ein Jahr später scheiden ließ, war die zerstörte Sängerin bereits das Lieblingsmotiv der Boulevardpresse.

Die Paparazzi jagten sie im Rudel, Late-Night-Moderatoren machten ihre Krisen zum Witz, ihr von Bulimie gezeichneter Körper wurde öffentlich bewertet. Amy wurde zum "Trainwreck" degradiert, dessen Verfall live im Fernsehen übertragen wurde. Vergessen wurde das Entscheidende: Ihre Sucht war keine Charakterschwäche und erst recht keine Unterhaltung, sondern eine schwere Krankheit.

Von den harten Drogen nahm sie nach einem Entzug Abstand, ihre Probleme aber betäubte sie weiterhin mit Alkohol-Exzessen. Im Juni 2011 sollte sie ihr Comeback-Konzert in Belgrad geben, stattdessen wurde es ihr öffentlicher Tiefpunkt. Vor 20.000 Zuschauern stolperte Amy verwirrt über die Bühne und konnte ihre Songs nicht singen. Es folgten mehrere Wochen Abstinenz, ehe ein dreitägiger Rückfall am 23. Juli 2011 zu einer tödlichen Alkoholvergiftung führte. Amy Winehouse starb mit 27 Jahren allein in ihrem Haus in Camden.

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Klub 27: Diese Musiker gingen viel zu früh von uns

Mit dem Tod von Amy Winehouse war der Klub 27 im Jahr 2011 wieder Gesprächsthema: Die Soulsängerin wurde in ihrer Londoner Wohnung tot aufgefunden, sie starb an einer Alkoholvergiftung. Seit Jahren kämpfte sie mit einer Drogen- und Alkoholsucht.
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Mit dem Tod von Amy Winehouse war der Klub 27 im Jahr 2011 wieder Gesprächsthema: Die Soulsängerin wurde in ihrer Londoner Wohnung tot aufgefunden, sie starb an einer Alkoholvergiftung. Seit Jahren kämpfte sie mit einer Drogen- und Alkoholsucht. © Russ Elliot/AdMedia/ImageCollect

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Die letzte Aufnahme

Amy Winehouses Alkoholsucht gehört zu ihrer Geschichte. Ihr Leben zeigt, wie zerstörerisch diese Krankheit sein kann. Die von ihrer Familie gegründete Amy Winehouse Foundation setzt sich seither dafür ein, Jugendliche vor ähnlichen Abhängigkeiten zu schützen. Doch wenn heute an Amy Winehouse erinnert wird, sollte die Geschichte nicht bei ihrem Absturz enden, sondern bei der Musik, die sie hinterlassen hat.

Vier Monate vor ihrem Tod hatte sich noch ein Lebenstraum erfüllt: In den Abbey Road Studios nahm sie mit einem ihrer großen Vorbilder, dem legendären Jazz-Sänger Tony Bennett (1926-2023), ein Duett auf. Es sollte ihre letzte Studioaufnahme werden. Bennett war tief beeindruckt von ihrem Talent und verglich sie mit Legenden wie Ella Fitzgerald (1917-1996) und Billie Holiday (1915-1959). Im Dokumentarfilm "Amy" sagte er rückblickend, er hätte ihr gerne einen Rat mitgegeben: "Das Leben zeigt uns, wie man es am besten lebt, wenn man nur lange genug lebt."

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