Tod von Liam Payne: Sein Freund ist vollständig entlastet
Mehr als 18 Monate nach dem Tod von Liam Payne ist sein Freund Rogelio Nores von allen Vorwürfen frei. Gegen zwei mutmaßliche Drogenverkäufer wird weiter ermittelt. Laut "New York Post" laufen Verhandlungen über einen Deal.
Rogelio Luis "Roger" Nores ist im Fall Liam Payne (1993-2024) endgültig aus dem Verfahren raus. Wie die "New York Post" unter Berufung auf Gerichtsakten berichtet, haben Richter in Buenos Aires die letzte Anklage gegen den argentinischen Geschäftsmann fallen gelassen. Damit trägt der 38-Jährige juristisch keine Verantwortung mehr für den Tod des One-Direction-Sängers im Oktober 2024.
Payne war im Luxushotel CasaSur Palermo in der argentinischen Hauptstadt von einem Balkon gestürzt und gestorben, nachdem er harte Drogen konsumiert hatte. Die Staatsanwaltschaft warf Nores vor, er habe als Gastgeber die Ausgaben des Popsängers kontrolliert und damit eine Verantwortung für ihn gehabt.
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Gericht: Payne habe frei entscheiden können
Diese Sicht hielt vor Gericht nicht stand. Drei Richter des Berufungsgerichts bestätigten in einer am 9. Juni unterzeichneten Entscheidung das vorherige Urteil: Payne sei mit 31 Jahren ein Erwachsener gewesen, der frei entscheiden konnte, Drogen zu konsumieren. Eine Verantwortung von Nores sahen sie nicht. Die Staatsanwaltschaft legte gegen diese Entscheidung keine Berufung ein.
Nores' Verteidiger Rafael Cúneo Libarona sieht den Fall für seinen Mandanten damit erledigt. Gegenüber der "Washington Post" erklärte er, es bestehe keine Chance, dass Nores erneut in den Fall hineingezogen werde, das Gericht habe ihn eindeutig von jeglichem strafrechtlichen Fehlverhalten freigesprochen. Und weiter: "Roger war nie für die Pflege von Payne zuständig, geschweige denn für dessen Suchtprobleme. Er war nicht Liams Bürge. Er war sein Freund, nicht sein Arzt, seine Krankenschwester oder sein Therapeut."
Ein Chat und die Zahl sechs
Der Weg dorthin zog sich über anderthalb Jahre. Im November 2024 klagte die Justiz Nores wegen Totschlags an, Paynes Vater Geoff Payne trat dabei als wichtiger Zeuge gegen ihn auf. Diese Anklage fiel im Februar 2025, ab Juni 2025 stand Nores wegen Drogenhandels vor Gericht, bis auch dieser Vorwurf im April kassiert wurde.
Auslöser für den zweiten Anlauf war laut den Akten eine Nachricht auf Paynes Handy, in der dieser Nores um "sechs Gramm" bat. Die Ermittler wollten daraufhin dessen Geräte und die zweier weiterer Personen forensisch auswerten lassen. Nores hatte auf die Nachricht allerdings nie geantwortet. Die Richter des Kassationsgerichts lehnten den Antrag ab, weil nichts darauf hindeute, dass er zugesagt habe, Drogen zu besorgen.
Abgeblitzt ist die Anklage auch mit einem zweiten Wunsch. Kate Cassidy, Paynes US-amerikanische Freundin, die ihn in Argentinien begleitet und das Land vor seinem Tod verlassen hatte, sollte als Zeugin über seinen damaligen Zustand aussagen. Auch das wiesen die Richter im Juni zurück, es fehle an einem ausreichenden Grund für eine Vorladung.
Zwei Angeklagte warten weiter
Offen bleibt das Verfahren gegen zwei Männer, denen vorgeworfen wird, Payne kurz vor seinem Tod Kokain verkauft zu haben. Der Kellner Braian Nahuel Paiz (26) und der Hotelangestellte Ezequiel David Pereyra (22) saßen mehr als ein Jahr auf Polizeiwachen und in einem Bundesgefängnis, im März kamen sie frei.
Zu einem großen Prozess über Paynes Tod könnte es trotzdem nie kommen. Quellen aus dem Verfahren sagten der "New York Post", es werde über einen Deal verhandelt. Der Vorwurf ließe sich dann auf die unentgeltliche Abgabe von Drogen herunterstufen, was maximal sechs Monate Haft nach sich zieht. Da beide nicht vorbestraft sind, wäre diese Strafe durch die Untersuchungshaft bereits abgegolten. Pereyras Anwalt Augusto Maria Cassiau sagte der Zeitung, man wäre geneigt, das Angebot anzunehmen.
Parallel läuft die Beweisauswertung weiter. Die zuständige Richterin Karina Andrade erlaubte den Ermittlern am 3. Juli, zehn bei Razzien beschlagnahmte Mobiltelefone sowie einen USB-Stick von Paiz und Pereyra genauer zu untersuchen. Geprüft werden Textnachrichten, Chats in sozialen Netzwerken und Browserverläufe, auf der Suche nach Spuren der mutmaßlichen Drogenverkäufe.
Cheryl Cole hat das letzte Wort
Eine Schlüsselrolle bei einem möglichen Deal kommt Cheryl Cole zu. Paynes frühere Partnerin tritt in dem Verfahren als Nebenklägerin auf, im Namen des gemeinsamen Sohnes Bear, der neun Jahre alt ist. Nach Informationen der "New York Post" könnte sie über eine Absprache das letzte Wort haben.
Bislang haben ihre Anwälte weder gegen die Entscheidungen zugunsten von Nores noch gegen die zugunsten anderer Beschuldigter Einspruch erhoben. Laut Gerichtsunterlagen geht es ihnen allein darum, die Privatsphäre, die Ehre und das Andenken des Sängers zu schützen. Um Stellungnahme gebeten, äußerten sich Coles Anwälte gegenüber der Zeitung nicht.
Zwei weitere Beschäftigte des CasaSur, die Sicherheitschefin Gilda Martin und der Rezeptionist Esteban Grassi, waren bereits zuvor von der Anklage wegen Totschlags befreit worden.