Thermen galten lange als klassisches Reiseziel für ältere Kurgäste. Inzwischen entdecken auch immer mehr jüngere Menschen den Urlaub im warmen Wasser für sich - nicht erst zur Behandlung, sondern als bewusste Vorsorge und präventive Self-Care-Routine. Bad Füssing im niederbayerischen Landkreis Passau, traditionell als Kurort bekannt, steht exemplarisch für diesen Wandel.
Prävention statt Behandlung
Früher wurde die Kur vom Arzt verordnet, heute buchen viele jüngere Gäste ihr Spa-Wochenende selbst. Verändert hat sich vor allem das Motiv: Wer in einer Therme badet, tut das immer häufiger nicht wegen einer konkreten Diagnose, sondern als bewussten Ausgleich zu Bürostuhl, Bildschirm und Dauerstress. Prävention statt Behandlung - dieser Ansatz passt zu einer Generation, die Bewegung, Ernährung, Schlaf und Longevity längst als Teil ihres Lebensstils versteht.
Dass Wellness für viele an Bedeutung gewinnt, zeigt auch eine Umfrage der Beratung McKinsey & Company aus dem Juni 2025. Demnach wollen 20 Prozent der Deutschen künftig mehr Geld für Wellness ausgeben. Besonders Millennials und die Gen Z zeigen sich offen für Retreats, gesunde Ernährung und Angebote, die zu einem aktiven Lebensstil passen.
Ein weiterer Grund ist die Suche nach Pausen vom Smartphone. In der Therme bleibt das Gerät meist im Spind. Was anderswo als "Digital Detox" vermarktet wird, ergibt sich dort oft eher beiläufig: durch Ruhebereiche, Wasser, Wärme und eine Umgebung, die auf Entspannung angelegt ist.
Bad Füssing: ein Kurort mit zwei Zielgruppen
Bad Füssing in Niederbayern ist seit Jahrzehnten vor allem für seine älteren Stammgäste bekannt. Einer der zentralen Anlaufpunkte ist die Johannesbad Therme, die mit eigener Quelle sowie Innen- und Außenbecken Besucher anzieht. Wellness, Therapieangebote, Badekuren und saisonale Veranstaltungen prägen das Angebot des Kurorts.
Daneben wächst eine zweite Zielgruppe: Paare, Freundeskreise, Berufstätige und Sportgruppen, die ein verlängertes Wochenende zur Erholung nutzen wollen. Bad Füssing gehört zum Rottaler Bäderdreieck und verzeichnet nach Angaben des Kur- und Gästeservice jährlich rund zwei Millionen touristische Übernachtungen.
Das Thermalwasser tritt mit etwa 56 Grad Celsius aus rund 1.000 Metern Tiefe aus und enthält Schwefel sowie weitere Mineralien. Traditionell wird es im Kur- und Therapiebereich unter anderem bei rheumatischen Beschwerden, Arthrose und Hauterkrankungen eingesetzt. Bei kürzeren Wellness-Aufenthalten steht dagegen weniger die Behandlung konkreter Erkrankungen im Vordergrund, sondern eher Erholung, Wärme, Bewegung im Wasser und begleitende Anwendungen wie Massagen.
Auch die Angebote vieler Häuser spiegeln diese breitere Ansprache wider. Neben medizinischen Anwendungen spielen Saunalandschaften, Aufgüsse, Ruhezonen, Fitness- und Bewegungsangebote sowie Gastronomie eine größere Rolle. Damit positioniert sich Bad Füssing nicht nur als Ort für mehrwöchige Kuren, sondern auch als Ziel für kürzere Aufenthalte.
Kurze Wellness-Auszeiten im Day-Spa

Neben den großen Thermen gibt es in Bad Füssing auch kleinere Spa-Angebote, die sich stärker an Tagesgäste richten. Ein Beispiel ist "Das Mühlbach Thermal Retreat & Wellness Resort", das Day-Spa-Pakete für externe Gäste anbietet. Nach Angaben des Hauses gehören dazu unter anderem Thermalbecken, Saunen, Dampfbäder, Ruhebereiche und ein Fitnessbereich. Die Nutzung ist reservierungspflichtig; Behandlungen und gastronomische Angebote, darunter der hauseigene Sushi Club, können je nach Paket hinzukommen.







