Roland Emmerich (70) gehört zu den international erfolgreichsten deutschen Regisseuren und prägte wie kaum ein anderer Deutscher das moderne Blockbuster-Kino in Hollywood. Mit Filmen wie "Independence Day" (1996), "The Day After Tomorrow" (2004) und "2012" (2009) landete er weltweite Kassenerfolge und spielte mit seinen Produktionen Milliardenbeträge ein. Zuletzt war es jedoch vergleichsweise ruhig um den 70-Jährigen. Sein jüngster Kinofilm "Moonfall" (2022) erschien vor vier Jahren, danach folgte die Streaming-Serie "Those About to Die" (2024) mit Anthony Hopkins (88).
Beim erstmals veranstalteten Branchentreffen CineHamburg wurde Emmerich im Juli mit dem Ehrenpreis "Gläserne Leinwand" ausgezeichnet. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur spot on news äußerte er sich nicht nur zu dieser Würdigung, sondern sprach auch über Künstliche Intelligenz - ein Thema, das derzeit für hitzige Diskussionen in Hollywood sorgt.
"Ich habe zunächst nachgefragt, worum es dabei genau geht", sagt Emmerich zu seiner Ehrung. "Als mir mein Publizist erklärte, dass es sich um einen Preis der Kinobetreiber handelt, war mir sofort klar, dass ich teilnehmen möchte. Diese Branche braucht Unterstützung und genau deshalb hat dieser Preis eine große Bedeutung."
"In Deutschland stieß das oft auf Unverständnis"
Der Regisseur großer Blockbuster erklärt zudem, wie er zu seinem Genre kam. "Mir war früh klar, dass ich meine in Deutschland gedrehten Filme auf Englisch inszenieren musste, sonst hätte ich Projekte wie 'Joey', 'Hollywood Monster' oder 'Moon 44' nie finanzieren können. In Deutschland stieß das oft auf Unverständnis und ich hatte das Gefühl, mich ständig rechtfertigen zu müssen."
Irgendwann habe er sich deshalb bewusst neu orientiert. "Ein großes Angebot habe ich damals abgelehnt, weil es nicht mein Film gewesen wäre. Stattdessen habe ich noch einmal von vorn angefangen", erinnert er sich. "Über Umwege kam ich schließlich zu einem Projekt, dessen ursprüngliches Drehbuch mich nicht überzeugt hat. Also haben wir es gemeinsam neu entwickelt und 'Universal Soldier' wurde zu einem Erfolg." Danach habe er darauf bestanden, seine eigenen Ideen umzusetzen: "Stargate" entstand. "Auch daran glaubte zunächst kaum jemand, doch der Film wurde ein Überraschungserfolg. Das öffnete mir viele Türen und führte schließlich zu 'Independence Day'", so Emmerich.
"Die Produktionen sind inzwischen schlicht zu teuer"
Das Thema Künstliche Intelligenz spaltet Hollywood. Emmerich gilt dieser Entwicklung gegenüber als eher offen. Über die kritischen Stimmen aus der Branche sagt er: "Ich sehe die Situation der Studios etwas anders. Die Produktionen sind inzwischen schlicht zu teuer. Genau hier bietet KI großes Potenzial. Sobald sich Prozesse damit verbessern lassen, können die Kosten erheblich sinken."
Aktuell arbeite er mit Stephan Trojansky zusammen, dem Gründer von Scanline. "Gemeinsam planen wir einen kompakten Praxistest: Innerhalb von 15 Tagen wollen wir prüfen, was technisch und wirtschaftlich möglich ist. Danach entscheiden wir, ob wir darauf aufbauend einen ganzen Film realisieren oder das Projekt zunächst zurückstellen."




