Jens Spahn (46) zieht Konsequenzen aus der kontroversen Debatte um seinen Familienzuwachs mithilfe einer Leihmutterschaft in den USA. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion erklärte am Samstag den Rücktritt von seinem Amt. Als Grund nannte der CDU-Politiker den wachsenden Konflikt zwischen seiner privaten Entscheidung und den Erwartungen an seine politische Rolle.
Nach Leihmutter-Debatte: Jens Spahn tritt als Fraktionschef zurück
Die Debatte um die von Jens Spahn und seinem Ehemann in den USA in Anspruch genommene Leihmutterschaft hat politische Folgen: Der Unionsfraktionsvorsitzende gibt seinen Posten auf. In einem Schreiben erklärt Spahn, sein persönliches Glück sei nicht mit dem Amt vereinbar.

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In einem Schreiben an die Unionsfraktion, das unter anderem dem "Spiegel" vorliegt, erklärte Spahn, ihm sei bewusst geworden, dass sein persönliches Glück, eine Familie zu gründen, nicht mit seiner Funktion als Fraktionsvorsitzender vereinbar sei.
"Meine Familie ist mir das Wichtigste"
"Der Spagat zwischen meiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der nachvollziehbaren Erwartung an mich als Vorsitzenden unserer Fraktion" sei größer geworden, als er erwartet habe, schrieb Spahn.
Zudem habe ihn die zunehmende Schärfe der öffentlichen Debatte nachdenklich gemacht. Er appellierte an einen respektvollen Umgang in politischen Auseinandersetzungen: "Lasst uns bei aller Klarheit und Entschiedenheit in der Sache immer auch menschlich im Ton bleiben."
In den vergangenen Tagen sei ihm eines besonders deutlich geworden: "Meine Familie ist mir das Wichtigste."
Spahn informierte nach eigenen Angaben die Parteivorsitzenden von CDU und CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, über seinen Rücktritt und dankte ihnen für das entgegengebrachte Vertrauen.
Scharfe Kritik wegen Leihmutterschaft - auch aus den eigenen Reihen
Jens Spahn hatte vergangene Woche bekannt gegeben, dass er und sein Ehemann Daniel Funke durch eine Leihmutterschaft in den USA Eltern eines Sohnes geworden sind. In Deutschland ist Leihmutterschaft bislang verboten. Die CDU hatte diese Position erst im Februar durch einen Parteitagsbeschluss bekräftigt. Darin heißt es, Leihmutterschaft bleibe "uneingeschränkt verboten, unabhängig von der Motivation".
Dass Spahn trotz dieser Parteilinie selbst eine Leihmutterschaft in Anspruch nimmt, sorgte innerhalb der Union für Kritik. Gegner warfen ihm vor, die Glaubwürdigkeit der Partei zu beschädigen, während Befürworter betonten, dass zwischen einer politischen Haltung zur Gesetzgebung und einer persönlichen Lebensentscheidung unterschieden werden müsse.
Zuletzt stieg der Druck auf Spahn deutlich. Mehrere Unionspolitiker forderten Konsequenzen, darunter der CDU-Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern. Auch der CDU-Stadtverband Brilon, der Heimatverband von Friedrich Merz, kritisierte Spahns Vorgehen als Belastung für die Glaubwürdigkeit der Partei und forderte seinen Rücktritt.
Für Spahn ist die Leihmutterschaftsdebatte nicht die erste Kontroverse seiner politischen Karriere. Bereits zuvor sorgten unter anderem seine Kontakte zum US-Investor Peter Thiel sowie die sogenannte "Maskenaffäre" während der Corona-Pandemie für Kritik an dem CDU-Politiker.
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