Ariana Grande (33) zieht nach dem Ende ihrer "Eternal Sunshine"-Tour einen Schlussstrich unter die Dauerpräsenz. Nach dem letzten Konzert am 1. September werde sich die Sängerin vorerst zurückziehen, teilte ein Sprecher dem US-Magazin "People" mit. Grande freue sich darauf, die Tour "gesund und glücklich" zu Ende zu bringen und danach eine "wohlverdiente Pause von öffentlichkeitswirksamer Arbeit und Auftritten" einzulegen. Als Grund nennt ihr Sprecher auch die "endlose, anhaltende öffentliche Beobachtung", der sie während der Tour ausgesetzt gewesen sei. Zuletzt hatte insbesondere ihr Körper über Wochen im Mittelpunkt öffentlicher Kommentare gestanden.
Bei ihrem Konzert im Chicagoer United Center stellte Grande am Montagabend selbst einiges klar. "Die Ankündigung von gestern war nichts Reaktives oder Impulsives. Es war etwas, das ich entschieden habe. Ein Plan, den ich vor langer Zeit still gefasst habe", sagte sie ihrem Publikum.
Ob die ständigen Spekulationen über Grandes Körper nun Auslöser waren oder nicht: Der Fall hat eine Debatte neu entfacht, die bei jeder sichtbaren Veränderung an einem prominenten Körper aufflammt. Die einen finden, über den Körper anderer Menschen habe niemand zu urteilen. Die anderen halten Schweigen für Wegsehen, falls es jemandem tatsächlich schlecht geht.
Sorge fragt nach dem Menschen, Bewertung nach dem Körper
Wo also verläuft die Grenze? Eine Antwort liefert eine Fachkraft aus der klinischen Psychologie im "Independent", die nach eigenen Angaben seit mehr als 20 Jahren zu Essstörungen forscht und mit Betroffenen arbeitet. Die Faustregel dort: Bewertung beginnt beim Aussehen, Sorge beginnt beim Wohlbefinden. Die eine Haltung fragt, wie ein Mensch aussieht. Die andere fragt, wie er zurechtkommt.
Dieser Unterschied ist mehr als Semantik. Ob jemand eine Essstörung hat, lässt sich an einem Körper nicht ablesen. Die Erkrankungen treten in allen Körpergrößen, Altersgruppen und sozialen Milieus auf, bei Frauen wie bei Männern, und viele schwer Betroffene waren nie untergewichtig, wie der "Independent" betont. Umgekehrt kann Gewichtsverlust unzählige Ursachen haben: eine körperliche Erkrankung, Medikamente, Trauer, Stress oder schlicht eine zermürbende Lebensphase.
Warum öffentliche Spekulation nach hinten losgeht
Wer im Netz über die Figur eines Stars diskutiert, beruft sich gern auf ehrliche Sorge. Nur braucht Sorge keine Tausenden Fremden, die einen Körper öffentlich sezieren. Was als Anteilnahme gemeint ist, wird für die betroffene Person zu etwas, dem sie nirgendwo entkommt.
Hinzu kommt ein Effekt, der alle Mitlesenden trifft. Scham und die Angst vor Verurteilung gehören laut dem Fachbeitrag zu den größten Gründen, warum sich Menschen mit Essstörungen erst spät Hilfe suchen. Gleichzeitig kann die Stigmatisierung von Körpergewicht die psychische Gesundheit belasten und gestörtes Essverhalten begünstigen. Öffentliche Debatten über das Aussehen eines Menschen können damit genau das verstärken, was sie vermeintlich verhindern sollen.
Die eine Frage vor dem Gespräch
Bevor Sie jemanden ansprechen, hilft eine einzige Kontrollfrage: Kommentiere ich gerade einen Körper oder erkundige ich mich nach einem Menschen? Dieser Perspektivwechsel entscheidet darüber, wie Ihr Gegenüber die Sorge aufnimmt.
Statt auf das Aussehen zu schauen, richten Sie den Blick auf Verhalten und Befinden. Vielleicht zieht sich jemand zurück, kommt nicht mehr zum gemeinsamen Essen dazu, wird rund um Mahlzeiten nervös, trainiert zwanghaft oder verliert das Interesse an Dingen, die früher Freude gemacht haben. Das sind die Beobachtungen, die sich ansprechen lassen.
Konkret heißt das: Der Satz "Du bist ja richtig dünn geworden" führt in die Sackgasse. Besser funktioniert "Ich habe das Gefühl, du bist in letzter Zeit nicht ganz du selbst. Wie geht es dir?" oder "Ich mache mir Sorgen um dich. Gibt es etwas, worüber du reden möchtest?" Ein großer Unterschied.







