Marina Hoermanseder (40) zählt zu den Designerinnen mit der wohl markantesten Handschrift in der deutschen Modeszene. Lederdetails, Schnallen, skulpturale Silhouetten und feminine Formen prägen ihre Entwürfe, die längst auch international Aufmerksamkeit erregen.

Bei der Berlin Fashion Week präsentierte die gebürtige Wienerin nun ihre neue Kollektion. Auf dem Laufsteg gab es dabei auch ein Wiedersehen mit "GNTM"-Gewinnerin Céline Bethmann (27), die ein exklusives Design-Piece zeigte, das in Zusammenarbeit mit der Nagellackmarke Essie entstanden ist. Mit "Germany's next Topmodel" ist Hoermanseder seit vielen Jahren eng verbunden. Im Interview spricht sie über ihre langjährige Zusammenarbeit mit Heidi Klum (53), die Kraft starker Runway-Looks und die handwerkliche Präzision hinter ihren Kollektionen.

Sie zeigen Ihre Kollektionen seit vielen Jahren regelmäßig in Berlin. Was macht die Berlin Fashion Week für Sie bis heute besonders?

Marina Hoermanseder: Berlin hat meinem Label sehr früh eine Plattform gegeben. Dafür werde ich der Stadt immer dankbar sein. Gleichzeitig mag ich die Freiheit hier. Berlin interessiert sich nicht besonders für Regeln oder dafür, was man angeblich machen sollte, und genau das liebe ich. Außerdem ist die Fashion Week für mich immer ein besonderer Moment, weil man die monatelange Arbeit endlich mit Publikum teilen kann.

Ihre Mode hat eine sehr klare Handschrift: Lederdetails, starke Silhouetten, feminine Formen. Wie schwer ist es, sich immer wieder neu zu erfinden und trotzdem sofort als Marina Hoermanseder erkennbar zu bleiben?

Hoermanseder: Ich finde gar nicht, dass man sich jede Saison komplett neu erfinden muss. Dann würde man ja irgendwann seine Identität verlieren. Meine Schnallen, Leder und die skulpturalen Formen gehören einfach zu meiner DNA. Die Herausforderung besteht eher darin, diese Elemente immer wieder neu zu denken und weiterzuentwickeln. Im Idealfall erkennt man einen Look sofort als Marina Hoermanseder und entdeckt trotzdem etwas, das man so noch nie gesehen hat.

Was sind die Herzstücke Ihrer neuen Kollektion? Gibt es einen Look, auf den Sie besonders stolz sind?

Hoermanseder: Ich tue mir immer schwer damit, einen einzelnen Look herauszupicken, weil für mich eine Kollektion immer als Ganzes funktioniert. Die gesamte Kollektion dreht sich um die Idee von Outer Space, um Neugier, Transformation und das Verlassen vertrauter Grenzen. Besonders stolz bin ich auf die Looks mit unserer Twisted-Buckle-Technik. Die waren technisch unglaublich aufwendig, genauso wie einige der skulpturalen Silhouetten. Wenn man so lange an solchen Details arbeitet, wachsen einem diese Pieces natürlich besonders ans Herz.

Wie viel handwerkliche Präzision steckt in dieser Kollektion - und welche Details erschließen sich erst auf den zweiten Blick?

Hoermanseder: Sehr viel. Viel mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Handarbeit begleitet mich seit der ersten Kollektion und ist bis heute einer der wichtigsten Bestandteile meiner Arbeit. Viele Stücke entstehen über Wochen hinweg im Atelier, weil wir mit Techniken arbeiten, die sich nicht einfach standardisieren lassen. Besonders spannend finde ich die Details, die man vielleicht nicht sofort wahrnimmt: die Konstruktion hinter den Twisted Buckles, die verschiedenen Lederschichten oder die Art, wie einzelne Elemente miteinander verbunden werden. Oft sind genau die Dinge, die am Ende ganz selbstverständlich wirken, die, in denen die meiste Arbeit steckt.

Was macht für Sie einen modernen Runway-Look aus: Muss er heute vor allem auf dem Laufsteg wirken oder auch auf Fotos, Reels und TikTok funktionieren?

Hoermanseder: Social Media hat die Art verändert, wie wir Mode konsumieren, aber nicht die Grundregeln von gutem Design. Früher waren es Magazinseiten, heute sind es Reels. Eine starke Silhouette bleibt trotzdem eine starke Silhouette, egal ob auf dem Runway, in einem Magazin oder auf dem Handy. Ich glaube nicht, dass man anfangen sollte, Kleidung für Algorithmen zu entwerfen. Trends kommen und gehen, ein guter Look bleibt.

Welche Rolle spielen Frisur und Make-up bei der Inszenierung Ihrer Looks auf dem Laufsteg?

Hoermanseder: Haare und Make-up spielen eine wichtige Rolle, weil sie die Stimmung einer Kollektion mittragen. Für mich geht es bei einer Show immer um das Zusammenspiel aller Elemente. Die Kleidung steht zwar im Mittelpunkt, aber durch Hair, Make-up, Casting und Musik entsteht am Ende die Welt, die wir auf dem Runway zeigen möchten. Dazu gehören diese Saison auch die Nagellacke aus der neuen Glass Nails Kollektion von Essie, die von allen Models getragen werden und die Looks mit ihrem transparenten Glas-Glow ergänzen.

Auf Ihrer Show gab es auch ein Wiedersehen mit "GNTM"-Siegerin Céline Bethmann?

Hoermanseder: Ja, Céline gehört für mich zu den Models, die einen Look wirklich tragen können. Sie versteht Mode, versteht den Runway und bringt genau die Ruhe und Professionalität mit, die man sich bei einer Show wünscht. Besonders gefreut hat mich, dass sie ein exklusives Design-Piece präsentiert hat, das in Zusammenarbeit mit Essie entstanden ist: Inspiriert von der Nagellackfarbe "Cin Cin" verbindet der Look transparente Materialien, hochglänzende Finishes und skulpturale Volumen.

Sie sind seit vielen Jahren eng mit "Germany's next Topmodel" verbunden. Was macht die Zusammenarbeit mit Heidi Klum und der Show für Sie bis heute spannend?

Hoermanseder: Natürlich spielt Heidi dabei eine große Rolle. Ich arbeite inzwischen seit vielen Jahren mit ihr zusammen und bin immer wieder beeindruckt von ihrer Energie und ihrer Leidenschaft für Mode. Sie hat ein unglaubliches Gespür für Inszenierung und schafft es wie kaum jemand sonst, Menschen für Fashion zu begeistern. Diese Neugier und Begeisterung hat sie sich bis heute bewahrt und genau das macht die Zusammenarbeit so besonders.

Bei den Grammys lief Heidi Klum in einem von Ihnen entworfenen Kleid, der "Heidi Vase", über den roten Teppich. Wie haben Sie die weltweiten Reaktionen darauf erlebt?

Hoermanseder: Ich finde es immer spannend zu sehen, wie unterschiedlich ein Look wahrgenommen wird. Mode löst Emotionen aus und genau das soll sie auch. Dass der Look international so viel Aufmerksamkeit bekommen hat, war natürlich schön, aber am Ende zählt für mich vor allem, dass Heidi ihn mit so viel Selbstverständlichkeit und Selbstbewusstsein getragen hat.

Ihre Designs wurden schon von vielen bekannten Frauen getragen. Wer hat Ihre Mode besonders gut verkörpert?

Hoermanseder: Ich könnte da gar keine einzelne Person nennen, weil jede meine Designs auf ihre ganz eigene Art interpretiert. Heidi trägt sie anders als Lady Gaga oder Kylie Jenner und genau das macht Mode für mich spannend. Ein Kleid sollte nie die Persönlichkeit der Person überstrahlen, sondern sie unterstreichen. Wenn das gelingt, ist das für mich das größte Kompliment.

Welchen Star würden Sie gerne noch einkleiden?

Hoermanseder: Ich tue mir mit der Frage immer schwer. Natürlich gibt es viele spannende Persönlichkeiten, aber die schönsten Zusammenarbeiten sind meistens die, mit denen man vorher gar nicht gerechnet hat. Genau das macht sie für mich am Ende auch so besonders.

Gibt es einen Trend, den Sie gerade lieben - und einen, den Sie nicht mehr sehen können?

Hoermanseder: Ich finde es schön, dass Individualität wieder wichtiger wird. Dass Menschen Trends nicht mehr eins zu eins übernehmen, sondern ihren eigenen Stil daraus machen. Schwieriger finde ich es, wenn Mode zu austauschbar wird und plötzlich alle gleich aussehen. Gerade das Spielerische und Persönliche macht Mode doch aus.

Was würden Sie Frauen raten, die sich modisch mehr trauen wollen, aber Angst haben, zu sehr aufzufallen?

Hoermanseder: Ich finde, Mode sollte vor allem Spaß machen. Wenn man sich ständig fragt, was andere denken könnten, nimmt man sich selbst ganz viel Freude daran. Am Ende geht es doch darum, Dinge zu tragen, in denen man sich selbst wiederfindet und wohlfühlt. Und nicht darum, anderen zu gefallen.