An diesem 28. Juli jährt sich der Todestag von Laura Dahlmeier (1993-2025) zum ersten Mal. Auf 5.700 Metern Höhe am Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge traf die ehemalige Biathletin beim Abseilen ein Stein am Kopf. Zwei Tage später bestätigte ihr Management ihren Tod. Sie wurde 31 Jahre alt.
Geborgen wurde sie nie. Genau das hatte die staatlich geprüfte Berg- und Skiführerin schriftlich so festgelegt: Niemand sollte für sie ein Risiko eingehen. Ein Jahr später ist aus diesem Satz eine Art Vermächtnis geworden. Ihre Familie wird den Todestag im kleinen Kreis begehen, sagte Vater Andreas Dahlmeier vorab der dpa. Eine öffentliche Gedenkveranstaltung ist nicht geplant.
Umkehr kurz vor dem Gipfel
Laura Dahlmeiers Seilpartnerin Marina Krauss schilderte den Hergang drei Tage nach dem Steinschlag-Unglück bei einer improvisierten Pressekonferenz in Skardu. Die beiden Frauen hatten sich entschieden, vor dem Gipfel umzukehren. Krauss war bereits an der nächsten Abseilstelle angekommen, als es passierte. "Ich habe beobachtet, wie die Laura ein riesengroßer Stein getroffen hat und wie sie dann gegen die Wand geschleudert wurde", sagte sie laut dem "Bayerischen Rundfunk". Danach kam keine Reaktion mehr. Laut Management versuchte Krauss zunächst stundenlang die Verunglückte zu bergen. Sie setzte einen Notruf ab und stieg zum Basislager ab.
Der Wetterbericht war gut gewesen, im Lauf des Tages wurde der Schnee weicher. "Wenn wir eine halbe Stunde früher dran gewesen wären, dann wären wir auch sicher runtergekommen", sagte Krauss. Der Extrembergsteiger Thomas Huber (59), der noch versucht hatte, zu Dahlmeier zu gelangen, verteidigte ihre Entscheidungen. Sein Satz von damals hat sich eingeprägt: "Nicht der Gipfel ist das Ziel, sondern das Leben."
Leichnam konnte nicht geborgen werden
Danach folgte ein Hin und Her. Der Alpine Club of Pakistan kündigte Ende Juli eine Bergung an, sobald das Wetter es zulasse. Mitte September stellte das Management klar, dass ein Bergungsteam die Lage am Laila Peak erneut bewertet habe und der Leichnam am Berg bleibe. Huber war auf Wunsch der Angehörigen noch einmal aufgebrochen. "Als Thomas noch mal an den Laila Peak ging, war sie nicht mehr auffindbar", sagte Vater Andreas Dahlmeier im Oktober dem "Spiegel". "Wir hätten Laura gern nach Hause gebracht."
Im Dezember sprach er in der "Sport Bild" über die Tage nach dem Unfall. "Laura müsste sofort tot gewesen sein", sagte der Bergretter, der seine Tochter früh zum Klettern mitgenommen hatte. Ein Unwetter habe später viele Steine gelöst, die sie unter sich begraben hätten. "Vielleicht wollte sie es auch so." Seine Tochter liege nun dort, "wo sie glücklich war und sich frei fühlte". Was sie ihm sagen würde, weiß er genau: "Geh raus zum Klettern, Papa!"
Hunderte Kerzen im Schnee
In der Heimat begann das Erinnern schon im August 2025. Damals fand eine Trauerfeier in der Wallfahrtskirche St. Anton in Garmisch-Partenkirchen mit 200 geladenen Gästen statt.
Der Gemeinderat beschloss im September einstimmig, den bis dahin namenlosen Kurpark umzubenennen. Eingeweiht wurde der Laura-Dahlmeier-Park am 27. Februar 2026, bei Schnee und im Kerzenlicht. Mehrere hundert Menschen kamen, berichtete der "Kreisbote". Die damalige Bürgermeisterin Elisabeth Koch erklärte die Wahl der Erinnerungsstätte für die mehrmalige Biathlon-Olympiasiegerin und Biathlon-Weltmeisterin so: "Ein Stadion wäre naheliegend gewesen. Eine Sportstätte vielleicht. Aber: Sie hat die Weite gesucht und die Ruhe, sicher nicht die Bühne." Mutter Susi Dahlmeier nannte die Geste "unheimlich schön". Die Veranstaltung beendeten Kinder des Ski-Clubs, die entlang einer symbolischen Loipenspur Kerzen entzündeten.
Der Platz beim ZDF bleibt leer
Beim ZDF, für das Dahlmeier seit Dezember 2019 als Expertin arbeitete, blieb ihre Position unbesetzt. Denise Herrmann-Wick bestritt als alleinige Expertin die Biathlon-Analysen der Olympia-Saison 2026.
Der Deutsche Skiverband stiftete einen Laura-Dahlmeier-Preis für den Nachwuchs, bewusst offen für alle Disziplinen und in Abstimmung mit den Eltern. "Wir haben uns beim Deutschen Skiverband bewusst Zeit genommen, darüber nachzudenken, wie wir Laura auch in Zukunft auf eine würdige Art ehren können - als außergewöhnliche Sportlerin, aber vor allem als besonderen Menschen", sagte DSV-Vorstand Stefan Schwarzbach dem "BR". Vergeben wird die Auszeichnung erstmals im Oktober.
Wie sehr der Tod von Laura Dahlmeier das Land bewegte, zeigte auch der Google-Jahresrückblick 2025: Kein prominenter Abschied ließ das Suchinteresse in Deutschland stärker steigen.




