In der deutschen Version des neuen Animationsfilms "Minions & Monster" (Kinostart: 1. Juli) sind die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz (36) als Synchronsprecher mit an Bord. Tom spricht Dort, einen Alien-Roboter und Eroberer, der mit seiner Armee die Herrschaft über die Erde an sich reißen will. Ein Teil der Minions dient ihm zunächst als treue Gefolgschaft und unterstützt seine Pläne. Im Original wird die Figur von Jesse Eisenberg (42) gesprochen.
Unterdessen wollen die Minions um James und Henry zusammen mit dem kleinen grünen Monster Goomi in den 1920er-Jahren einen Hollywood-Monsterfilm drehen. Bill Kaulitz spricht den Bösewicht Goomi - in der US-Version hat Emmy-, Grammy- und Tony-Award-Gewinner ("South Park", "The Book of Mormon") Trey Parker (56) den Part übernommen.
Verzerrte Stimmen
Hollywood-Legende Christoph Waltz (69) ist ebenfalls mit von der Partie; er spricht den opportunistischen Regisseur Max sowohl im Original als auch in der deutschen Fassung - ihn hört man auch deutlich heraus. Etwas anders ist das bei den Kaulitz-Twins gelagert: Wenn man nicht weiß, wer wen spricht, erkennt man ihre doch ziemlich verzerrten Stimmen kaum. Für Fans der beiden Tokio-Hotel-Musiker vielleicht eine kleine Enttäuschung, dem generellen Minions-Spaß tut es aber keinen Abbruch.
Während die prominenten Synchronsprecher den neuen Figuren ihre Stimmen leihen, bleibt eines unverändert: Die Minions selbst sprechen auch in diesem dritten Teil der "Minions"-Filmreihe, einer Prequelreihe zur Filmreihe "Ich - Einfach unverbesserlich" (seit 2010) ihre unverwechselbare Fantasiesprache, die seit Jahren Millionen Zuschauer begeistert. Hinter Begriffen wie "Bello", "Banana" oder "Poopaye" steckt dabei weit mehr als bloßer Nonsens.
Die Sprache der Minions
Wer die Filme der "Minions" gesehen hat, erinnert sich meist nicht nur an die gelben Figuren selbst, sondern auch an ihre ungewöhnliche Sprache. Diese Kunstsprache wurde von den Filmemachern Pierre Coffin und Chris Renaud eigens für die inzwischen zwei Filmreihen entwickelt. Laut "RadioTimes" spielte Coffin dabei eine zentrale Rolle: Über Jahre hinweg sprach er die Stimmen von Hunderten Minions selbst ein.
Wie "Motion Pictures" berichtet, entstand die sogenannte "Minionese" aus einer Mischung verschiedener realer Sprachen. Coffin griff dabei auf Wörter und Ausdrücke aus dem Englischen, Französischen, Spanischen, Italienischen und weiteren Sprachen zurück. Hinzu kommen Fantasiewörter, lautmalerische Elemente und spontane Einfälle. Ein festes Wörterbuch oder ein umfassendes Regelwerk existiert nicht. Vielmehr wurde die Sprache so gestaltet, dass sie unabhängig von der jeweiligen Landessprache verstanden werden kann.
Wiederkehrende "Minionese"-Begriffe
Einige Begriffe haben jedoch wiederkehrende Bedeutungen, wie "Allociné" zusammenfasst. So verwenden die Minions häufig "Bello" als Begrüßung. "Poopaye" wird oft als Abschiedsgruß eingesetzt. Das Wort "Banana" taucht regelmäßig auf und verweist auf die bekannte Vorliebe der Figuren für Bananen. Viele weitere Ausdrücke entstehen situativ und dienen vor allem dazu, Emotionen und Stimmungen zu transportieren.
Sprachwissenschaftlich lässt sich "Minionese" als sogenannte fiktionale oder künstliche Sprache einordnen. Anders als vollständig entwickelte Kunstsprachen wie "Klingonisch" aus dem Science-Fiction-Universum von "Star Trek" oder "Elbisch" von dem britischen Sprachwissenschaftler und Autor J. R. R. Tolkien für seine fiktive Welt Mittelerde ("Herr der Ringe") erfunden, besitzt "Minionese" jedoch keine ausgearbeitete Grammatik und keinen umfangreichen Wortschatz. Ihr Zweck liegt weniger in realistischer Kommunikation als vielmehr in der humorvollen Unterstützung der Handlung.
Figuren kulturübergreifend verständlich
Nichtsdestotrotz hängt der internationale Erfolg der Minions auch mit diesem sprachlichen Konzept zusammen. Da die Figuren keine nationale Sprache sprechen, können Zuschauer in unterschiedlichen Ländern ihre Aussagen ähnlich wahrnehmen. Die Sprachbarriere wird reduziert, während Gestik, Mimik und Situationskomik stärker in den Vordergrund treten. Dies erleichtert die weltweite Vermarktung der Filme und macht die Figuren kulturübergreifend verständlich.
Besonders bemerkenswert ist, dass die Minions trotz ihrer scheinbar unverständlichen Sprache von vielen Zuschauern intuitiv verstanden werden. Verantwortlich dafür sind die Betonung, die Körpersprache und der Kontext der jeweiligen Szene. Die Sprache funktioniert damit weniger über konkrete Bedeutungen als über emotionale Signale.
Mit Filmen wie "Minions" und "Minions: Auf der Suche nach dem Mini-Boss" wurde "Minionese" zu einem festen Bestandteil der Popkultur.




