Adam Lambert: "Es ist okay, über eure Gefühle zu sprechen, Jungs"
Eine Trennung, ein Umzug, ein neues Album: Adam Lambert hat viel erlebt und verarbeitet das auf seiner LP "Adam". Im Interview spricht er über seine Liebe zu New York und Berlin, toxische Männlichkeit und seine Zukunft mit Queen.
Adam Lambert (44) schlägt am 10. Juli mit seinem Album "Adam" ein neues Kapitel auf. Darin verarbeitet der US-Sänger unter anderem das Ende einer rund vierjährigen Beziehung. Passend dazu stellt er in einem der Songs die Frage: "Am I Ok?"
Der Titel entstand nur eine Woche nach der Trennung, wie Lambert im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt. "Ich habe noch nie etwas so kurz nach einem so großen Ereignis geschrieben", sagt er. Deshalb beschreibt er es als emotionalsten Moment des gesamten Songwriting-Prozesses. Heute fällt seine Antwort auf die Frage aus dem Lied anders aus als noch beim Schreiben. "In dem Song sage ich immer wieder: 'Ich weiß es nicht.' Aber in dem Jahr, das seitdem vergangen ist, habe ich gemerkt: Mir geht es gut", erzählt Lambert und betont: "Ich habe es nicht eilig, mich wieder auf eine feste Beziehung einzulassen."
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Reise nach Berlin stimmt ihn nostalgisch
Die Trennung war nicht die einzige große Veränderung in Lamberts Leben. Der 44-Jährige zog von Los Angeles nach New York. An der Metropole schätzt er vor allem die Offenheit der Menschen. "Es passiert einfach viel mehr. Man trifft neue Leute", erzählt er. In New York könne es vorkommen, dass man an einer Kreuzung stehe und unvermittelt mit einem Fremden ins Gespräch komme - eine Erfahrung, die er aus Los Angeles kaum kenne.
Seiner neuen Heimat widmete er den Song "Rat City". Was nach einer Abrechnung mit New York klingt, ist eigentlich eine Liebeserklärung an die ungeschliffenen Seiten der Metropole. "Es geht darum, die guten und die schlechten Seiten zu akzeptieren", erklärt Lambert. "Die Gegend hier ist zwar schmutziger als mein Zuhause in Los Angeles, aber genau das verleiht ihr Charakter."
Auch Berlin nannte der Musiker einst sein Zuhause. "Als ich 22 war, habe ich dort etwa sechs Monate lang gelebt. Jedes Mal, wenn ich zurückkomme und die Stadt besuche, überkommt mich eine Welle der Nostalgie", sagt er. Wenn er am 23. Juli für ein Release-Konzert in die Hauptstadt zurückkehrt, will er auch den Nollendorfplatz besuchen - ein Zentrum der queeren Kultur.
Adam Lambert spricht von "Geschlechterrevolution"
Über die Jahre hinweg haben sich nicht nur Lamberts Wohnort und Leben verändert, sondern auch er selbst. "Ich habe viel von dem Bedürfnis losgelassen, allen gefallen zu wollen", erzählt Lambert. "Aber ich habe auch gelernt, mich selbst besser zu akzeptieren." Er habe angefangen, "Dinge zu sehen, auf die ich stolz sein sollte, und mir selbst öfter mal auf die Schulter zu klopfen und Erfolge anzuerkennen". Doch nun erkenne er auch seine eigenen Fehler besser und wenn man sich selbst im Weg steht. "Das ist wirklich wichtig", findet Lambert.
Auch in der Gesellschaft sieht er einen positiven Wandel: In den vergangenen 15 Jahren habe sich viel verändert - sowohl bei der Sichtbarkeit der queeren Community als auch beim Umgang mit traditionellen Rollenbildern von Männern. Es habe "eine Art Geschlechterrevolution" gegeben. Dennoch seien alte Muster weiterhin präsent. "Es gibt immer noch unglaublich viel toxische Männlichkeit, der die Leute meiner Meinung nach zum Opfer fallen", meint der offen schwule Sänger. Seine Botschaft ist deshalb einfach: "Es ist okay, über eure Gefühle zu sprechen, Jungs." Gerade, weil das noch immer nicht selbstverständlich sei, sei es umso schöner, "zu sehen, wenn es für einen Mann okay ist, emotional zu sein".
Steht eine große Tour mit Queen an?
Adam Lambert wurde nicht nur durch seine eigene Musik bekannt. Seit 2011 steht er gemeinsam mit den Queen-Legenden Brian May (78) und Roger Taylor (76) als Queen + Adam Lambert auf der Bühne. Die letzten Auftritte der britischen Rockband und des Sängers liegen allerdings bereits fast zwei Jahre zurück. Wird es in Zukunft noch einmal eine große Tournee geben? "Wir wissen es ehrlich gesagt nicht", sagt Lambert. Fest steht für ihn aber: "Ich habe durch die lange gemeinsame Zeit auf Tour unglaublich viel gelernt." Über May und Taylor spricht er dabei als "große, erweiterte Familie".