Am Tag, an dem im MetLife Stadium in East Rutherford, New Jersey, das WM-Finale steigt, hat Deniz Undav Geburtstag. Am 19. Juli wird der Stürmer 30 Jahre alt. Nur den Titel wird er sich als Geschenk nicht holen. Deutschland ist bekanntermaßen bereits im Sechzehntelfinale ausgeschieden und mit dem Team ist auch der Mann raus, den bei diesem Turnier plötzlich das ganze Land ins Herz geschlossen hat. Denn an ihm lag es vermutlich nicht.
Schon im Vorfeld der Weltmeisterschaft wurde viel über die Personalie Undav diskutiert. Bundestrainer Julian Nagelsmann (38), inzwischen nicht mehr im Amt, machte kein Geheimnis daraus, dass er nicht so viel vom Star des VfB Stuttgart hielt. Deswegen setzte er Undav zunächst auch nicht in der Startelf ein, sondern wechselte ihn als Joker ein. Mit Erfolg: In nur 56 Spielminuten in zwei Spielen erzielte der WM-Debütant drei Treffer und bereitete zwei weitere vor. Noch nie seit Datenerfassung 1966 benötigte ein WM-Spieler so wenige Spielminuten für seine ersten fünf Torbeteiligungen. Sein Doppelpack gegen die Elfenbeinküste machte ihn zum Man of the Match.
"Ich mache weiter mein Ding"
Er wurde schon davor gefeiert, aber spätestens diese Bilanz machte aus Undav den Publikumsliebling. Die Experten überboten sich mit Superlativen zu ihm, die Suchanfragen zu seinem Namen gingen durch die Decke. Allein während des Turniers gewann Deniz Undav mehr als 500.000 neue Followerinnen und Follower auf Instagram und knackte damit die Million. "Handy explodiert", bilanzierte er dazu im Gespräch mit der "Sportschau". Davon lasse er sich aber nicht verändern, "sondern ich mache weiter mein Ding".
Sein Ding machte er, und doch war auch Undav machtlos beim bitteren WM-Aus der deutschen Mannschaft. Da half auch sein doch noch erkämpfter Platz in der Startelf nicht. "Wir haben Deutschland enttäuscht. Das sitzt. Mehr gibt es gerade nicht zu sagen", meldete er sich nach der Niederlage gegen Paraguay auf Instagram. "Danke für diese Chance."
Bei Werder aussortiert: zu klein und zu dick
Chancen wurden Deniz Undav in seiner Karriere schon reichlich oft verwehrt. Denn lange schien es unwahrscheinlich, dass aus dem bulligen Fußballer noch einer der ganz Großen wird. Als Jugendlicher wurde Undav bei Werder Bremen gefördert, doch mit knapp 16 Jahren war Schluss. Gegenüber dem Portal "DeichStube" erinnerte er sich elf Jahre später an die Begründung: Er sei "zu klein" und "zu dick" für den Profifußball gewesen.
"Das war sehr, sehr hart. Als kleiner Junge hat ja jeder den Traum gehabt, Fußballer zu werden. Und gefühlt war mein Traum dann geplatzt, als es bei Werder nicht mehr weiterging", so der Sportler. Deswegen habe er ernsthaft an seinen Chancen auf dem Platz gezweifelt.
Mit 19 Jahren spielte Undav dann beim TSV Havelse in der Regionalliga - und wollte von sich aus mit dem Fußball aufhören. "Ich war immer noch ein super Spieler, aber ich wollte einfach nicht mehr. Ich habe mir gesagt: Ach, das wird eh nichts, es macht keinen Sinn", erinnerte er sich im Interview mit "ran". In dieser Zeit absolvierte er nebenbei in einer Fabrik eine Ausbildung als Maschinenführer und sei jeden Tag um 4 Uhr aufgestanden, um über die Runden zu kommen.







